Rollenspiel Block 6: Veloweg
1. Ganz spontan – gab es bei
der Durchführung des Rollenspiels ein ‘Aha-Erlebnis’?
Bei diesem Rollenspiel war ich zum ersten Mal
Mediatorin. Ich fühlte mich auf die Einführung gut vorbereitet, habe den Rahmen
gesetzt, die Rollen erklärt, die Regeln festgelegt… und dann im Gespräch
bemerkt, dass die Mediation in tausend Richtungen gehen könnte. Und auch wenn
es nicht meine Verantwortung als Mediatorin ist, eine Lösung zu finden und zu
entscheiden, welches denn jetzt die wichtigsten Themen wären, habe ich gemerkt,
dass ich sehr stark steuern kann, was in welchem Rahmen vertieft wird, was eine
Mediation schon sehr stark in eine Richtung lenken kann. Ich glaube, es ist
nicht ganz einfach, eine Balance zu finden zwischen einer resultateoffenen
Haltung, bei der man als Mediatorin einfach nur etwas moderiert und sieht,
wohin das Gespräch verläuft und einem gewissen Eingreifen, damit sich das
Gespräch nicht im Kreis dreht oder die oft versteckt liegenden Interessen zum
Vorschein kommen, auch wenn die Konfliktparteien diese selbst nicht klar
formulieren oder direkt aussprechen (können).
2. Was haben Sie in der Rolle der Mediatorin/des Mediators gut gemacht?
Aufgrund dieser Erfahrung – auf was werden Sie bei der Vorbereitung eines
Konfliktgesprächs in Zukunft besonders achten? Oder: Falls Sie diese Rolle
nicht hatten, was hat die Mediatorin/der Mediator gut gemacht?
Ich glaube, ich habe die Einleitung gut gemacht,
meine Rolle klar beschrieben und gleich am Anfang transparent gesagt, dass ich
zwar von der Stadt bezahlt werde, das aber nichts an meiner neutralen Position
ändert. Ich habe Kommunikationsregeln festgelegt, den Zeitrahmen abgesteckt und
das Zeil der Mediation erklärt. Dann habe ich versucht, gut zu paraphrasieren
und das Gesagte wiederzugeben und Informationen aufzuschreiben und so die
Kernthemen zu identifizieren.
Ich denke, es bleibt immer eine Herausforderung,
sich auf eine Mediation vorzubereiten, ohne dass man dann etwas an Offenheit
verliert, weil man schon weiss, welche Haltungen und Interessen man erwartet
und eine gewisse Voreingenommenheit hat. Trotzdem würde ich versuchen, mich in
dem Sinn besser vorzubereiten, als dass ich die Phasen der Mediation noch
einmal genauer ansehen würde und dann im Lauf des Gesprächs Themen und
Interessen genauer identifizieren. Ausserdem würde ich versuchen, Dingen
genauer auf den Grund zu gehen, die allenfalls nur in einem Nebensatz erwähnt
werden (wie in diesem Beispiel die Turnhalle, die auf eine allgemeine
Unzufriedenheit hindeutete und darauf, dass die Velowege an sich vielleicht gar
nicht unbedingt das Problem sind, sondern nur die Spitze des Eisbergs).
3. Notieren Sie hier ganz kurz eine
Konfliktsituation, welche Sie erlebt haben. Stellen sie sich vor, dass Sie dazu
eine Mediation machen würden. Wie würden Sie sich darauf vorbereiten? Können
Sie Ihre eigenen Interessen und diejenigen der ‘Konfliktpartei’ benennen?
Ich habe einen Konflikt mit einer Arbeitskollegin wegen unseres
Video-Aufnahmestudios. Sie wünscht sich, dass ich jedes Mal da bin, wenn sie
Aufzeichnungen dort hat, weil sie sich «einfach nicht merken kann, was sie
jetzt einstellen muss». Es geht darum, dass ich die Kameras für sie einschalte,
auf die Sprecher:innen fokussiere und auf «Record» drücke. Anschliessend möchte
sie, dass ich die Video-Files exportiere, weil ihr Laptop dafür zu wenig
Leistung hat (meiner auch, ich benutzen den fixen PC im Büro). Ich sehe nicht
ein, weshalb sie das nicht einfach selber machen kann.
Ich würde mich auf diese Mediation vorbereiten,
in dem ich die Phasen einer Mediation noch einmal anschauen würde und mir den
Ablauf in Erinnerung rufen. Wie schon in der Antwort oben geschrieben, würde
ich mich inhaltlich nicht zu detailliert vorbereiten wollen, damit ich nicht
voreingenommen bin.
Mein Interesse ist, dass ich nicht immer da sein
muss, wenn sie eine Aufnahme macht und nicht extra für die 3 Minuten Arbeit ins
Büro fahren und warten muss, bis die Aufnahmen vorbei sind. Das raubt mir sehr
viel Zeit, die ich für andere Aufgaben besser einsetzen könnte. Ausserdem
möchte ich nicht, dass sie mir jedes Mal ein schlechtes Gewissen macht, wenn
ich nicht da sein kann.
Ihr Interesse ist, dass es ihr zusätzliche
Sicherheit gibt, wenn ich da bin, weil ich technisch etwas versierter bin als
sie und dass sie, falls es ein Problem geben würde, nicht ganz alleine dastehen
würde.
Liebe Andrea, vielen Dank für diese ausführliche Gedanken! Ich habe einen Teil 'deines' Start ja gesehen und dich auch als sehr ruhig, souverän und zielorientiert erlebt. Du hast genau gewusst, was sagen und dabei recht locker gewirkt. Gratuliere!
ReplyDeleteIch sehe auch, dass man bei einer Mediation etwas steuern kann. Die Kunst ist aber glaub wirklich, Fragen so zu stellen, dass die Parteien die Richtungen vorgeben können. Deine erwähnte Turnhalle ist zum Beispiel nur insofern relevant, dass sie zeigt, dass sich der Weiler schon länger vernachlässig fühlt. Würde man da zu sehr weiterbohren, kämen ganz viele ungute Gefühle auf, die für den Prozess vielleicht nicht hilfreich sind. Da die Balance zu finden, nachzufragen, und dann bei unproduktiven 'Jammergeschichten' rechtzeitig abzubrechen, ist sicher eine grosse Kunst. Ich habe einfach erlebt, dass diejenigen mit Erfahrung, sehr viel zielgerichteter Fragen stellen können. Präzise nachfragen und dann wieder Raum lassen. Da sind wir wohl alle einfach noch auf dem Weg!
Liebe Grüsse, Petra
Liebe Andrea, ich stimme mit Petra zu, dass du die Mediation sehr klar und professionell eingeführt hast. Während der Mediation hast du zudem immer aktiv nach Interessen zugehört und sie aufgeschrieben, damit sie für beide Parteien klar waren. Ich fand auch, dass du die Sprechzeit zwischen beide Parteien gut balanciert hast, indem du Myriam und mich respektvoll an der Gespräch-Regel erinnert hast (z.B. Zuhören, sprechen lassen). Als Mediatorin fand ich wie du schwierig, selbst nicht lösungsorientiert zu denken und wirklich auf das gegenseitige Verständnis zu fokussieren. Eine andere Herausforderung lag daran, die richtige Frage zu stellen, wenn der Gespräch zwischen den Parteien offensichtlich sich im Kreis dreht. Da fand ich, dass du das Gespräch gut gelenkt hast und unsere Aufmerksamkeit auf ein weiteres Thema geleitet hast, wenn wir uns in einer Sackgasse fanden. Die Zeit hat gefehlt, aber ich fand, dass wir dank dir auf einem ziemlich guten Weg waren;)
ReplyDeleteLiebe Andrea
ReplyDeleteIch finde du hast deine erste Mediation gut gemeistert. Wie Petra und Juliette schon erwähnt haben, war deine Einführung klar und hat alle wichtigen Punkte beinhaltet. Durch deine Fragen, konntest du die relevanten Schlüsselstellen herausfiltern und hast uns ermutigt diese dann der Reihe anzuschauen. Dies hat es uns als Konfliktpartei ermöglicht in einer kurzen Zeit weit in der Lösungsfindung voranzukommen. Wie du finde ich die Balance ebenfalls eine Herausforderung, denke aber dies ist aber vorallem Übungssache.
Liebe Andrea,
ReplyDeletewie du schon gesagt hast, ist dir die Einleitung gut gelungen. Zusätzliche: was ich von dir gelernt habe ist es, dass Zusammenfassen und festhalten des erreichten zentral ist. Es veranschaulicht den Fortschritt und hilft den Teilnehmern das gesagte "setzen" zu lassen. Es hat mich inspiriert heute eine Karte mitzubringen um die Diskussion zu konkretisieren.
Liebe Grüsse und viel Spass bei der nächsten Gelegenheit streiten zu üben - sie kommt bestimmt ;-)
Christian