Reflexion: Eigenes Konfliktverhalten
1. Weshalb haben Sie das Modul
Umweltmediation gewählt? Wurden diese Erwartungen erfüllt? Fehlt noch etwas?
Ich glaube, eines der grössten
Probleme in den Bemühungen um nachhaltigere Lösungen sind Missverständnisse,
dass sich Parteien nicht gehört fühlen und dass Menschen häufig Angst vor
Veränderungen und vor Dingen haben, die sie nicht verstehen. Manchmal würde es
meiner Ansicht nach reichen, etwas mehr auf die Vorbehalte und Ängste von
Menschen einzugehen und ihnen gewisse Vorgehen so zu erklären, dass sie es auch
verstehen, dann würden sie sich vermutlich zum Teil weniger stark dagegen
"sträuben". Von diesem Modul habe ich mir erhofft, einen vertieften
Einblick darin zu erhalten, wie diese Meinungen abgeholt werden können und wie
gute Lösungen für beide Seiten gefunden werden können. Bisher erfüllt das Modul
meine Erwartungen und ich finde die Abwechslung zwischen Gruppenübungen, Inputs
und externen Inputs spannend.
Allenfalls dürfte es noch etwas
mehr Übungen im Stil von der Prometheus/Pure Health-Übung geben. In dieser fand
ich besonders spannend, dass wir eigentlich relativ stolz waren darauf, wie
harmonisch und angenehm unsere Verhandlungen waren, bis wir erfahren haben,
dass wir ein viel besseres Resultat hätten erzielen können.
Bei der allerersten Mediation
wäre es allenfalls cool gewesen, noch etwas mehr Zeit oder vielleicht zwei
unterschiedliche Szenarien zu haben, damit alle in der Gruppe sich einmal als
Mediator:in versuchen können. In unserer Gruppe war ich zweimal eine "Konfliktpartei"
und konnte so bisher gar nie Erfahrungen darin sammeln, wie es sich anfühlen
würde, eine Mediation zu führen. Ich hatte am Anfang des Moduls gedacht, wir
würden praktisch in jeder Vorlesung eine Mediation durchführen und so das
gelernte Vorgehen und diese Schritte einer Mediation festigen. Ich finde es
aber eigentlich so spannender, wenn jede Woche etwas anders ist, als wenn wir
jeden Montag eine Mediation durchführen würden, deshalb würde ich das nicht
ändern :)
2. Wir überlegen uns das Modul etwas weg von der Mediation, hin zur
Partizipation zu entwickeln. Dies, weil wir wahrnehmen, dass bei Grossprojekten
eher partizipativ gearbeitet wird, Umweltmediationen immer noch selten
stattfinden. Was halten Sie davon?
Ich fände das sinnvoll, weil es
vermutlich häufig zielführender ist, alle Stakeholder:innen direkt von Anfang
an in einen Prozess einzubeziehen, als zu einem späteren Zeitpunkt eine
Mediation durchzuführen. Und es wäre vielleicht damit etwas näher an der
Realität, wenn das in vielen Grossprojekten jetzt bereits so umgesetzt wird. Dann
wäre es cool, wenn vielleicht auch ein partizipatorischer Prozess als Beispiel
vorkommen würde, um die unterschiedlichen Prozesse und Stakeholder:innen
aufzuzeigen. Ich könnte mir vorstellen, dass Partizipation und Mediation viele
Parallelen haben und sich deshalb viele Lerninhalte decken würden, ich kenne
mich aber mit dem Prozess einer Partizipation nicht wirklich aus, deshalb finde
ich diese Frage etwas schwierig zu beantworten.
3. Haben Sie aufgrund der bis jetzt im Modul Umweltmediation gemachten
Erfahrungen Ihr Konfliktverhalten bereits verändert? Falls ja – wie äussert
sich diese Veränderung? Falls nein – hat das Modul Ihr bisheriges Verhalten
bestätigt? Oder was bräuchte es, damit Sie neu Gelerntes direkt in den Alltag
übertragen könnten?
Ich hatte
seither nicht wirklich Konflikte, an denen ich das Gelernte hätte ausprobieren
können, deshalb habe ich gerade kein konkretes Beispiel aus der Praxis 😉. Ich bin eigentlich eher
konfliktscheu im Alltag und das Modul hat mir etwas das Gefühl gegeben, dass
Konflikte gar nicht unbedingt negativ und etwas sein müssen, in dem zwei Seiten
komplett unterschiedliche Meinungen haben und bei dem eigentlich einfach eine
Seite oder manchmal auch beide Seiten nachgeben müssen, um eine Lösung zu
finden, mit der sie einigermassen leben können aber nicht wirklich zufrieden
sind. Ich glaube jetzt, dass Konflikte auch etwas Konstruktives sein können, das
zu guten Ideen und allenfalls besseren Lösungen für beide Seiten führen kann.
Für mich
war ausserdem eine wichtige Erkenntnis, dass sich Äusserungen und die zugrundeliegenden
Bedürfnisse der Menschen sich nicht unbedingt decken, respektive, dass sich
häufig andere Bedürfnisse dahinter verstecken, als wir unserem Gegenüber
vielleicht unterstellen. Deshalb möchte ich mich in kommenden Konflikten darauf
achten, meinem Gegenüber zuerst wirklich zuzuhören und herauszufinden, ob das,
was ich als Bedürfnis vermute, auch wirklich das Bedürfnis ist.
Ich glaube, für mich braucht es vor allem etwas Zeit, um das Gelernte zu verinnerlichen und es dann allenfalls in künftigen Konflikten einsetzen zu können. Konflikte sind ja meistens eher emotionale und etwas stressige Momente, in denen es für mich vielleicht nicht von Anfang an automatisch geht, mich daran zu erinnern, was jetzt in diesem Moment sinnvoll und konstruktiv wäre. 😉
Liebe Andrea, danke für deinen ausführlichen Beitrag. Als ich die Verhandlungsübung zum ersten Mal machte ginge es mir genau gleich wie dir. Verhandeln ist nicht gleich verhandeln :)
ReplyDeleteVersuch doch heute und beim abschliessenden Rollenspiel unbedingt die Rolle der Mediatorin zu übernehmen, dass du diese wichtige Übung auch mindestens einmal gemacht hast. Viel Spass dabei! Liebe Grüsse Rahel
Ich teile deine Ansicht, dass es ein spannender und gelungener Mix zwischen Übungen und (externen) Inputs ist. Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass es noch mehr Übungen/Rollenspiele geben könnte, damit wir uns noch mehr ausprobieren und Erfahrungen sammeln können. Da ich aber die Inputs ebenfalls wichtig finde, sehe ich es als Herausforderung, im Modul zusätzliche Zeit dafür zu finden. Ich stimme dir auch darin zu, dass es so vielleicht nicht allen möglich ist, einmal die MediatorInnenrolle zu übernehmen, was ich ebenfalls schade finde, aber auch hier wieder die gleiche zeitliche Herausforderung sehe. Vielleicht konntest du dich im heutigen Rollenspiel ja als Mediatorin üben ;)
ReplyDeleteMir geht es sehr ähnlich, was das eigene Konfliktverhalten angeht. Ich sehe auch als grösste Herausforderung, in einer sowieso schon herausfordernden und höchstwahrscheinlich emotionalen Konfliktsituation die Kapazität aufzubringen, dem Gegenüber aktiv zuzuhören und die Bedürfnisse und Interessen der anderen Person zu verstehen zu versuchen. Ich denke aber, dass man mit dem neuen Wissen, dass wir durch das Modul haben, auch immer wieder ganz kleine Veränderungen im eigenen Konfliktverhalten möglich sind und dass es gar nicht darum geht (und auch nicht realistisch ist) sein Konfliktverhalten komplett zu verändern.
Unsere Erwartungen an das Modul sind ziemlich deckungsgleich. Ich finde den Aspekt, den Andrea über das Eingehen auf die Vorbehalte und Ängste von Menschen geschrieben hat, sehr gut. Auch teile ich ihre Meinung zu dem was sie im letzten Abschnitt geschrieben hat über die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen und dem was sie sagen, das dies nicht immer übereinstimmt. Solche Dinge vergisst man gerne, wenn man selbst mit jemandem im Konflikt ist, obwohl man es eigentlich weiss. Ich fine es einfacher, solche Sachen aus der Beobachterperspektive oder als Mediatorin zu sehen und dann adäquat darauf zu reagieren.
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